Kraftwerk Fier
Albanien 🇦🇱
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Online: 15.05.2026
Während der Industrialisierung nach dem Zweiten Weltkrieg stieg Fier zu einer der wichtigsten Städte Albaniens auf. Industriebetriebe und eine Raffinerie wurden angesiedelt. In den 1960ern kamen ein gigantisches Dampfkraftwerk (Termocentrali i Fierit) der Korporata Elektroenergjitike Shqiptare (Albanische Elektroenergiegesellschaft, KESH) und eine Düngemittelfabrik hinzu.
Das mit Öl befeuerte Dampfkraftwerk war mit einer Leistung von 186 Megawatt das größte Heizkraftwerk Albaniens. Das schwere Heizöl für die Brennkammern kam aus der benachbarten Raffinerie. Um die Jahrtausendwende war das Kraftwerk aber kaum noch in Betrieb, zuletzt wurden im Mittel nur noch etwa 20 statt 186 Megawatt erzeugt. 2007 wurde es endgültig abgeschaltet und das gesamte Areal für den symbolischen Preis von einem Euro an eine griechische Investorengruppe verkauft.
Eigentlich sollte bereits 2009 mit der Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energieträgern begonnen werden. Aber dann schlug die Finanzkrise zu, und daraus wurde nichts. Seitdem verfallen die Anlagen immer weiter. Vor einigen Jahren gab es wohl noch mehr zu sehen, aber mittlerweile hatte man wohl auch die letzten Metallreste verkauft und so einige Hallen abgerissen.
Früher gab es 6 Heizkessel. Fünf kleinere mit 12 bis 25 Megawatt Leistung stammten aus chinesischer Fertigung, ein großer mit 60 Megawatt aus Tschechien.
Auf der Nordseite des Geländes befand sich die Kunstdüngerfabrik. Die Produktion begann 1966 mit dem Bau einer einzelnen Produktionslinie für Ammoniumnitrat, geliefert aus Italien. 1976 kam eine Zweite hinzu, 1990 eine Dritte, beide aus chinesischer Fertigung und auf Harnstoffdünger ausgelegt. Albanien bezahlte die teuren Anlagen nicht mit Devisen, sondern mit Rohstoffen. China beispielsweise ließ sich in Bitumen bezahlen.
Es war kein Zufall, dass die Fabrik genau hier errichtet wurde. Zur Herstellung von Kunstdünger braucht man vor allem zwei Dinge: Erdgas und Prozesswärme in Form von heißem Wasserdampf. Das eine kam aus der Erdölraffinerie wenige Hundert Meter weiter. Das andere aus dem Dampfkraftwerk.
An der Form der Bauwerke lässt sich deren Funktion erahnen. Für Ammoniumnitrat benötigt man beispielsweise zwei Grundzutaten, Salpetersäure und Ammoniak. Salpetersäure wird aus Erdgas gewonnen, indem man in einem Zwischenschritt Stickstoffmonoxid herstellt, dieses in einem Sprühwäscherturm mit Wasser zu Salpetersäure reagieren lässt und den Kreislauf so lange zirkuliert, bis die Konzentration hoch genug ist. Üblicherweise haben diese Sprühwäschertürme vier bis fünf Ebenen.
Die hochkonzentrierte Salpetersäure wird dann ausgeleitet und reagiert in einem Absorptionsturm mit Ammoniak zu einer Ammonitiumnitratlösung. Dieser Absorptionsturm war ja wohl kaum zu übersehen. Und auch der letzte Schritt, das Verdampfen, Auskristallisieren und Verpacken der fertigen Düngerkügelchen in einer großen Halle, schien hier stattgefunden zu haben.
Zu Spitzenzeiten liefen bis zu 1.000 Tonnen Dünger pro Tag vom Band.
1993 arbeiteten noch über 900 Menschen in der Düngemittelfabrik. Allerdings fehlte es zunehmend am Hauptrohstoff, Erdgas, und an Ersatzteilen.
Ab den 1990er Jahren war Albanien immer stärker auf Kunstdünger aus dem Ausland angewiesen.
Heute stehen von beiden Locations nur noch die Reste und auch diese fallen immer mehr der Abrissbirne zum Opfer.















































